Der Winter ist sicher nicht die beste Reisezeit in Guilin, aber mit ein bisschen Glueck und der inneren Einstellung, wird es schoener als in der Hauptreisezeit. ...

Die Longji-Terrassen befinden sich in der Gemeinde Heping, südöstlich des Landkreises Longsheng in Guilin. Sie wurden in der Yuan-Dynastie erbaut und in der frühen Qing-Dynastie fertiggestellt. Diese Kulturlandschaft hat eine mehr als 650-jährige Geschichte. Man sagt, in der Landschaft wirken die Hügel wie Schnecken und die Berge wie Türme. Alle Linien fließen vor dem Auge. Nicht von ungefähr nennt sich die Landschaft, „die Krone der Terrassenwelt.“

Im Winter regnet es in dieser Gegend oft. Viel öfter als in der Hauptreisezeit. Ein Grund, warum es vergleichsweise leer ist. Natürlich auch an dem Tag, den wir für die Abfahrt nach  Longji vorgesehen hatten. Freundliche Menschen inklusive der Hotelconcierge rieten uns von der Reise ab. ‚Bei diesem Wetter werden die Terrassen in einem Meer von nassen Wolken verschwinden‘. Egal, wir fuhren morgens mit dem Stadtbus - samt Gepäck - zur Fernbusstation im modernen Zentrum von Yangshuo.



Der Fernbus endet nach einer sehenswerten Strecke im Dorf der Zhuang. Hier beginnen die Terrassen. Laut alten Aufzeichnungen aus der Wanli-Zeit der Ming-Dynastie, kam vor mehr als 400 Jahren ein Angehöriger der Zhuang hier an. Liao Rendeng war auf der Suche nach einem Ort für sich und seine Familie, wo er zu Leben und zu Arbeiten gedachte. Im Gepäck hatten sie eine fortschrittliche Reispflanztechnologie. Den ersehnten Ort fand er in der Präfektur Qingyuan (heute Hechi Yizhou): "Mit der Sehnsucht nach Glück und Hingabe an König Mo schmeckte er den Boden mit seinem Mund und posierte mit einem Kompass" und stellte fest, dass Longji ein Schatz war. Er errichtete die ersten Terrassen ...

Die Nachricht, des Pionier-Erfolgs der Familie Liao verbreitete sich schnell. Bald darauf zogen Zhuang mit den Nachnamen Pan, Hou, Chen und Wei aus Dannan, Guangxi, in diese Gegend. Danach kamen Yao und Han nacheinander in die fruchtbare Region. In den folgenden vierhundert Jahren errichteten und erhielten Landsleute aller ethnischen Gruppen mit ihrer Erfahrung, dem ererbten Wissen und ihrem Fleiß die Bergterrassen.



Im Zhuang-Dorf erwartete uns ein Fahrer mit seinem 4W-Truck, der uns in unser Gasthaus bringen sollte. Der Wagen schraubte sich mit hörbarer Mühe — trotz Allrad — den Berg in engen Schlaufen hinauf. Der Regen der letzten Tage hatte viele kleine Wasserfälle entstehen lassen und gelegentlich musste der Wagen herabgefallenem Geröll ausweichen.

Genau in dem Augenblick, als wir im Gasthaus ankamen, brach ein regelrechtes Unwetter los. Die Longji-Täler füllten sich mit einem frischen Geruch. Wir saßen auf der Plattform des Gasthauses, tranken Tee und schauten auf die am Hang wallenden Wolken. Die Hektik der Stadt schwand dahin. Wir sahen zu, wie die Wolken auf- und abfielen und hörten dem mittlerweile leichten Regen zu. Wir liessen die Seele baumeln und die Natur auf uns wirken. Plötzlich und praktisch ohne Ankündigung hörte der Regen auf. Der Nebel stieg mit atemberaubender Geschwindigkeit auf und entblößte mit Wucht das Terrassen-Märchenland.

Jede Region hat ihre Spezialitäten. So auch Guilin. Zu den auffälligsten gehört der Bambusrohrreis.

Bambusrohrreis wird, wie der Name schon vermuten lässt, im Bambusrohr gekocht. Der Reis wird mit der entsprechenden Menge Gebirgsbachwasser in die an einem Ende geschlossenen Bambusröhre gegeben und am anderen Ende mit Blättern verschlossen. Die, "grüner Reis" genannte Mahlzeit duftet wegen des wilden Bambus‘ sehr intensiv und ist ausgesprochen lecker. Man kann den Reis mit Pilzen, Bambussprossen, Speck und weiteren Zutaten verfeinern.

Sie brauchen:

  • 5 grüne Bambusrohre
  • 200g duftender Reis
  • 500g Speck oder Wurst
  • 200g Pilze
  • Sesamöl
  • Salz
  • Sojasauce

1 Gießen Sie den duftenden Reis in eine Eisenpfanne und waschen Sie ihn. Lassen Sie ihn 2-3 Stunden in Wasser einweichen. Teilen Sie den grünen Bambus in Segmente und schneiden Sie eine etwa 5 cm breite Öffnung in die Bambusfuge, um das Einfüllen des Reis‘ zu erleichtern. Hinweis: Die ausgeschnittenen Bambus-Chips nicht wegwerfen! Mit ihnen werden die Röhren vor dem Erhitzen wieder verschlossen.

2 Schneiden Sie die eingeweichten Pilze in Stücke oder dünne Scheiben und die Wurst/Speck in kleine Würfel. Fügen Sie die entsprechende Menge Salz und eine kleine Menge Sesamöl und Sojasauce hinzu. Der Anteil Reis‘ sollte ca. T betragen. Füllen Sie die Masse in die Bambusröhre und füllen das restliche Volumen mit Quellwasser auf.

3 Verwenden Sie an der Öffnung des Bambusrohrs die originalen ausgeschnittenen  Bambusstöcke und pressen diese so fest ein, dass sie sich nicht mehr von alleine lösen können.

4 Stellen Sie alle Bambusrohre auf den angefachten Holzkohleherd. Drehen Sie die Bambusröhren regelmäßig, damit nicht der Bambus selbst anfängt zu brennen. Tipp: Da das Bambusrohr während des Brennvorgangs sehr heiß ist, sollten Sie beim Drehen des Bambusrohrs Handschuhe tragen.

5 Nach 30 — 40 Minuten sollte alle Feuchtigkeit im Reis sein. Spätestens dann sind auch alle anderen Zutaten gar. Nehmen Sie das Bambusrohr vorsichtig vom Feuer. Auf einer Unterlage teilen Sie die Röhre vorsichtig mit einem Messer. Wenn der Schnitt links und rechts lang genug ist, können Sie die Rohre mit den Händen auseinanderbiegen und schließlich vom hinteren Knoten abbrechen.



Als passendes Getränk empfehlen wir den Tee der Mönchsfrucht.

Die Yao-Nationalität ist eine sehr diverse ethnischen Minderheit in China. In Guangxi gibt es verschiedene Zweige der Yao-Nationalität. Die „Hongyao“ im Landkreis Longsheng im Norden von Guangxi sind nach ihren roten Kleidern benannt — auch als „die Menschen im Pfirsichblütenwald“ bekannt. Zum Teil weben die Frauen ihre Kleidung noch heute auf einfachen Webstühlen.

Autorin: Hua Wen

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