Screen Shot 2015 03 17 at 2.49.10 PMIch mach nun seit ein paar Woche Podcast. D.h. statt um Text und Bild probier ich nun mit Audio rum. Zwar bin ich nicht ganz unbeleckt was Aufnahmen fuer z.B. Interviews betrifft, aber diese Aufnahmen waren i.a.R. fuer die Transkription vorgesehen. Ausreichende Qualitaet hiess bis dahin, dass man vor lauter Rauschen und Nebengeraeuschen nach Moeglichkeit noch den Interviewpartner versteht ... irgendwie. Nun hab ich gelernt, dass dies rein gar nichts auch nur einen Hauch mit Podcasten oder Radio zu tun hat.

Ich hatte es ja schon erwaehnt, dass der Podcast eigentlich als Spielwiese gedacht ist, auf der ich neue Medienkonzepte ausprobieren werde. Insbesondere die Kombination von ePub(eBook), Audiopodcast und Onlineformaten, welche schlussendlich in einem Produkt muenden sollen, sind meine eigentliche Motivation fuer diese Beschaeftigung. Dies bleibt auch weiterhin mein Ziel ...

 Was ich allerdings kolossal unterschaetzt habe, dass man fuer vernuenftige Audioaufnahmen auch noch etwas dazulernen muss. Und dabei rede ich noch gar nicht mal vom Schneiden und Arrangieren, sondern auch von Prozessen lange davor. Also dem Ausleveln der Mikrofone vor Beginn der Aufnahme - oder ueberhaupt erst die knackserfreie Befestigung des binauralen Mikros in den Ohren und des Lavaliermikrofons am Revers oder eben dem Sprachmikro auf dem Tisch ....

Dann hab ich gelernt, dass in meinem mobilen Aufnahmegeraet schon immer Funktionen eingebaut waren, die mich vor haesslichen Artefakten und Unwaegbarkeiten schuetzen konnten. Ich hab mir frueher nie die Frage gestellt, was dieses [Lo Cut] oder [Comp/Limit] da im Menue eigentlich zu bedeuten hat. Jetzt weiss ich es. Und nun aerger ich mir ein Loch in den  Bauch, dass ich all dies nicht schon frueher benutzt bzw. ueberhaupt erst gewusst habe. Denn ich habe i.d.T. einen recht grossen Interviewfundus, den man gut recyclen koennte. Aber so wie es jetzt aussieht .... ich mein anhoert, ist dieser Fundus eher was fuer den Audio-Restaurator.

Doch das Feld auf dem man dazulernen muss, war damit noch lange nicht abgesteckt. Ich hab gemerkt, dass wirklich jeder einzelne Raum meines Buero einen Audiofingerabdruck hat ... und das selbst der geeigneteste Raum immer noch angepasst werden musste. Das sind zwar alles Dinge, die ich irgendwie geahnt habe, aber nicht vermutete, dass die fuer eine halbwegs brauchbare Aufnahme so essentiell sind. 

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Na ja, weiter ging es mit der Aufnahme- bzw. Bearbeitungssoftware, die meist mit einer geradezu erdrueckenden Komplexizitaet daherkommen. Ich behaupte mal, dass selbst der technikaffinste und softwareverliebteste Enthusiast hier irgendwann gegen die Frustmauer laeuft. Zum Glueck findet man meist nach ein paar Klicks eine Antwort auf die anstehenden Fragen. Aber auch hier steht man erst mal vor einem Berg. 

Hat man dann endlich alles im Kasten, dann muss man den Podcast ja irgendwie in die Welt hinausblasen. OK ! - hab ich gedacht, nimmst du eine bekannte Podcast-Suite und alles wird gut. Die erste Ernuechterung: geht nur mit Wordpress (ich hasse Wordpress). Egal - schnell eine Serverinstanz aufgesetzt, WP samt Datenbank installiert und die ersten Sachen probiert. Laeuft alles super. Als ich dann endlich die erste Folge hochgeladen habe, sagt mir WP, dass mit dem neuesten Update, diese Suite nun eine neue PHP-Version erfordert. Ah ja ... Nun hab ich auf dem Server noch diverse kommerzielle Software laufen, welche wiederum weitere Bausteine, wie z.B. den Zendguard benoetigt. Den gibt es aber fuer diese PHP-Version noch gar nicht *argh* ... Dieser fehlende LTS und diese applige Attituede "Ich weiss was gut fuer dich ist", ist genau das, was mir schon so manche Software bzw. manches OS vergaellt hat. Also den ganzen WP-Kram wieder geloescht (Yeah!) und selber was gebastelt.

Waehrend die typische Lernkurve bezueglich Technik, Grundlagen, Software und so weiter unvermeidlich ist, ist letzteres natuerlich doppelt aergerlich, bindet es doch zuviele Ressourcen und vor allem Zeit. Aber evtl. ist sogar dies unvermeidlich.

Ein bisschen mehr Demut, wenn ich bitten darf

Ausserdem hab ich jedoch noch was anderes gelernt. Waehrend der ganze Technikkram so ueberhaupt keine Beruehrung mit der Fotografie oder dem Schreiben hat, so sind Konzept, Arrangement und Schnitt des Radiomachens sehr wohl mit der Fotografie oder dem "Drama" verwand. Tatsaechlich funktionieren da aehnliche Methoden, Tricks, Ideen ..., wie sie auch der Fotografie oder der Story zugrunde liegen. Aber wie in der Fotografie ist es auch hier so, dass man um die Beherrschung der Technik und dem Erlernen der Grundlagen nunmal nicht herum kommt. Und dies hat mir auch mal wieder ein wenig die Augen geoeffnet oder besser: auf den Boden zurueck geholt.

Ich bin manchmal ziemlich fassungslos, wenn mir so mancher Fotoenthusiast gegenuerbetritt und mich belehrt, wie man alles (und vor allem mit welchen Equipment) genau richtig macht. Frueher hab ich da noch diskutiert, heute denk ich mir nur noch "Was fuer ein Spacko, der hat ja sowas von ueberhaupt keine Ahnung" und lass den einfach stehen. Ich glaube, diese arrogant rueberkommende Frische einiger Enthusiasten ist es, die so manchen Berufsfotografen regelmaessig auf die Palme bringt. Die (Amateur)Foren sind voll von diesen Belehrungen, Gifteleien und Getrolle (Leider es ist nicht so, dass geschlossene Berufsforen wie z.B. das Freelensforum da viel besser waere).

Was das Podcasten also Radiomachen betrifft, bin ich blutiger Amateur und zur Zeit so richtig schlecht. Ich hab jetzt von allem so ein bisschen eine leise Ahnung, aber von nix so richtig. Immerhin koennte ich jetzt ganz wunderbar beim Bullshit-Bingo mitspielen. Weiss jetzt was Compressor, DAW, Grossmembran, Phantom ... ist und kann mal so richtig was vom Pferd erzaehlen. Mach ich aber nicht. Weil genau solche Typen gehen mir schon in meinem Beruf gehoerig auf den Zeiger -U N D- warum sollte ich ?

Ich bin in meinem Beruf ziemlich gut und auch sonst mangelt es mir nicht an Selbstbewusstsein. Ob ich jemals ein guter Podcaster werde, weiss ich nicht. Ich werde dies erst mit der 52. Folge entscheiden. Bis dahin geb ich mir Zeit. Und wenn ich zu dem Schluss komme, "Alter, du bist so richtig schlecht - aber es macht einen Riesenspass", dann mach ich trotzdem weiter.

Etwas anderes ist aber viel wichtiger. Mit meinen ersten Versuchen, stieg meine Hochachtung vor den vielen wirklich grandiosen Podcastern da draussen. Erst jetzt wird mir richtig klar, wieviel Muehe, Kreativitaet und Koennen da wirklich drinsteckt. Wenn ich mich so vor 6 Wochen sehe, dann erkenne ich, dass meine Attituede damals, der des stark nervenden Fotoapparatbesitzers -ohne den Hauch einer Ahnung- in nichts nachsteht, wenn er meint, "Das soll wohl Kunst sein, kann ich auch - nur besser." oder denen, die einen Artikel beginnend mit, "Der Schreiberling hat wohl ..." kommentieren. 

So dient mein Podcast-Experiment auch dazu, dass ich mich mal wieder ein wenig in Demut uebe. Das erfreut meine Umwelt, aber das ist nicht minder wichtig fuer mich selbst. 

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