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 Ueber die Schwierigkeiten der Solarthermie in China

Erwähnt man im Moment China im Zusammenhang mit den Regenerativen, dann kommt einem sofort die PV Diskussion bezüglich der Dumpingvorwürfe in den Sinn. Insgesamt eine wenig erfreuliche Situation, die aber auch einige Fragen aufwirft. Erinnert man sich nämlich zurück an den Beginn des PV Booms, da war die Welt scheinbar noch eine andere.

(Alle Bilder: Sven Tetzlaff)


Zwischenspiel PV

Händler, Elektrounternehmen und auch gestandene PV-Firmen aus Europa, vornehmlich aus Deutschland, reisten durch China und versuchten möglichst günstig Module zu bekommen. Später kam dann noch der Durst nach Silizium (Rohsilizium, Ingots, Wafer etc.) hinzu. Um gerecht zu sein, manche, wenn auch nicht wirklich viele, dieser Unternehmen waren an langfristigen Partnerschaften interessiert. Die allermeisten hüpften jedoch von Hersteller zu Hersteller.

Und dieses Hüpfen erfolgte mit allen Konsequenzen - den guten, wie den weniger guten. Die chin. Firmen kamen den Anforderungen bezüglich Qualität und Menge willig nach und investierten in einem für europ. Verhältnisse geradezu unglaublichen Maße.

Mit den Investitionen stieg auch die Ausdehnung der vertikalen Integration. Die chin. Unternehmen integrierten sich bis hinunter zum Mining auf der Seite des Upstreams - das war für die Europäer gut. Aber auch bis hin zum EPC Partner im Downstream, was für die Europäer weniger gut war. Jemand, der eben noch in China durch die Gegend reiste um seine verlängerte Werkbank zu bestücken, sah sich plötzlich einem Konkurrenten auf seinem ganz privaten geradezu gottgegebenen Markt gegenüber. Und prompt wurde laut gerufen „Haltet den Dieb.“ In der Zwischenzeit ist der europ. Maschinenbau dem Ruf der Chinesen nachgekommen und hat die PV Industrie auf ein deutlich moderneres Level gehoben als es eben noch in Europa üblich war.

Die “Nomaden” sahen sich plötzlich einer völlig veränderten Situation gegenüber. Sie standen nun (meist Mittelständler) überwiegend multinationalen Konzernen gegenüber, die sich das Vertriebs-Know-How in Europa und auch US ankauften und das Geschäft fortan alleine machten.

Mit dem allerneusten Maschinenpark, der tiefsten vertikalen Integration und einer durchgehend international aufgestellten Unternehmenskultur hatten die Europäer und Amerikaner plötzlich dem nichts mehr entgegenzusetzen.

Jetzt rächte sich, dass man zwar in den Vertrieb auf den Spotmärkten in EU, z.T. US aber vor allem DE, keineswegs in R&D, neue Maschinen und Internationalisierung investiert hat. Die Möglichkeiten dazu bestanden durchaus, allerdings hatten die DE Unternehmen durch eine eher ablehnende Politik ihres eigenen Government mit Unsicherheiten zu kämpfen, welche die Banken bzw. andere Investoren zunächst innehalten liess. Dann kam die Finanzkrise, die zwar den Banken kaum geschadet hat, jedoch ein weiteres mal die Kreditvergabe verhinderte oder zumindest verzögerte. Selbst wenn die Kriegskasse gut genug gefüllt gewesen wäre und/oder die Finanzkrise nicht gegriffen hätte, war liquides Geld zu günstigen Konditionen schlichtweg nicht vorhanden.

Anders in China. Neben den o.g. Investitionen in der PV, folgte dann ab 2009 ein geradezu beispielloses Konjunkturprogramm in dem gerade und explizit die Erneuerbaren aufgenommen wurden. Zur Erinnerung, in Deutschland förderte man statt dessen zur gleichen Zeit mit einer gehörigen Portion Populismus die Neuanschaffung von Autos und mit einer völlig unverblümten staatlichen Subvention. Einer Subvention, welcher man nur sehr mühsam ein grünes Mäntelchen umhängen konnte - wobei man sich nicht entblödete, genau dies zu tun.

Zwar hätte die EU und US PV-Industrie ihre Forderungen an ihre eigenen Gov. adressieren können, hat sie aber nur in einem sehr geringen Ausmaße. Ganz anders, als plötzlich die Konkurrenz aus Fernost existentiell bedrohlich wurde. Prompt wurden Rufe nach Protektion laut, die aber nicht nur in der Adresse, sondern wie der Autor meint auch in ihrem grundsätzlichen Wahrheitsgehalt falsch sind.

Die Geschichte hat gezeigt, das Protektion in solchem Ausmaße, wie er jetzt von Einzelnen, aber besonders Lauten gefordert wird, immer und grundsätzlich nach hinten losgeht. Doch diese Lehre steht noch bevor.

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