Dies ist meine 2. Dipl.-Arbeit von `92. Die erste ist von `88(*). Es geht um Datenerfassung und -Verarbeitung in der Mikrobiologie. Die Idee war, Träger pathogener und resistenter Keime zu identifizieren, lokalisieren und zu isolieren.

Das war die Zeit, als die westdeutschen Imbissbuden den Osten eroberten und folgerichtig ganze Altenheime mit hochpathogenen und resistenten Keimen ausgelöscht wurden. Die Zonendödel hätten selbst Scheiße gefressen, wenn sie nur aus dem Westen kam.


Mein Programm BACDAT konnte bis hin zu einer konkreten Adresse die Quellen der Keime finden, und Alarm auslösen. Neben Isolierung ging es auch - mittels Resistenzlage - um den Entwurf eines wirksamen Antibiotika-Regimes. Medikamente mit vielen Resistenzen wurden aus dem Verkehr gezogen. So wurden ca. 40 Medikamente für eine Zeit evaluiert.

Wenig später hat man das Antibiotika-Regime abgeschafft, denn es hat den Verkauf einzelner Medikamente eingeschränkt. Die Idee: Der Markt wird es schon richten.


Das Ganze lief auf dem Wald&Wiesen-Unix AIX. Linux war erst in ver. 0.98 verfügbar und mein privates Coherent war zu schwach. Als »Grafikterminal« hab ich mir einen NeXT geleistet, bei Stephan Schambach, der eine Villa weiter seine kleine Firma hatte. Später ist er mit Intershop in die Keksrolle gezogen. Der Laserdrucker kostete 5k DM und dazu noch 4 Adobe-PS-Riegel für je 200 DM, der Kaiserleser 10k DM. Das DBMS war Flagship und alles andere wurde in C geschrieben.


Fazit: Wir wissen schon lange, wie wir richtig mit Seuchen etc. umgehen sollen. Ich war damals auch dabei als in Buchenwald Proben genommen wurden, um evtl. Viren und Bakterien-Experimente an Menschen nachzuweisen. Die Gefahr wurde immer klar kommuniziert. (Wenn man es hören will). Wir haben nur ein einziges Problem und das ist der Neoliberalismus. Die Verwertungslogik, nach der sich auch das Leben richten soll. Oder kurz: Wir sind am Arsch.

(*) Damals nannte sich das Ingenieursarbeit. Ich schrieb die an der Bergschule Eisleben zum Thema "Mustererkennung in Fourier-Transformationen von Audiosignalen, um kommende Ereignisse in rotierenden Maschinen vorherzusagen." Im Prinzip ging es darum, "das Abpfeifen" von z.B. Motoren, fruehzeitig zu erkennen - bevor(!) man es hoeren konnte. Basis war damals CP/M und der ganze Schmonzes wurde in FORTH geschrieben. Gelaufen ist das auf einem A 5120.

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