copbuchIch arbeite seit 11 Jahren mit Capture One Pro. Längere Zeit parallel mit diversen 3rd-Party-Programmen, die manch fehlende Funktionen in COP ersetzten. Doch diese wurden immer weniger. Seit Version 9 entfällt sogar Media Pro. Mittlerweile halte ich COP für das beste RAW-Programm mit DAM-Funktionalität für Fotografen im Allgemeinen und für Berufsfotografen im Besonderen.  Ein großes Manko war bislang, dass es nur wenig begleitende Literatur auf Deutsch gibt. Schwierig wurde es, wenn man Wissen weitergeben wollte und man gleichzeitig nicht davon ausgehen konnte, dass alle Studenten, Lehrgangsteilnehmer ... ausreichend Englisch verstehen. Kurz, es fehlte an einem Standardlehrbuch für den Lehrling, Autodidakten, Workshopbesucher ... Sascha Erni hat mit »Praxis Capture One Pro: RAW-Entwicklung, Bildverwaltung, Fotobearbeitung« diese Lücke geschlossen. Möglicherweise hatte der dpunkt.verlag diesen Lehrbuchanspruch nicht von Anfang an, doch es bleibt zu hoffen, dass er mit den Aktualisierungen bzw. Auflagen der dynamischen Entwicklung von COP hinterherkommt.

Ein wichtiger Punkt für ein Lehrbuch ist m.E. Seriosität und die macht sich meist am Stil fest. Erni wanzt sich nicht mit einem kumpelhaften Du an die Leser heran, sondern besteht konsequent aufs Sie. Weiterhin hält er sich mit Albernheiten zurück, gleichwohl an vielen Stellen ein angenehmer Humor durchschimmert. Darüber hinaus verzichtet Erni auf sinnentleerte bzw. gänzlich überflüssige Anglizismen. Das Du, Flachwitze, Denglisch und zuviel Redundanz sind leider wesentlicher Inhalt vieler neu erscheinender  technischer Fachbücher.

Ganz ohne Redundanz kommt ein Lehrbuch nicht aus, aber Erni hat einen schönen Weg gefunden, dies für verschiedene Lerntypen sinnvoll zu gestalten. Zu verschiedenen Prozeduren gibt es ein Ablaufdiagramm, ein oder mehrere Bilder mit ausführlichen Unterschriften und dazu noch den Text. Je nachdem, ob man eher der Textversteher oder der visuelle Typ ist, man verliert das Problem nie aus den Augen. Ergänzt wird das Ganze mit Kästen, in denen sich abwechselnd unter dem Label »Tipps«, »Hinweis« oder »Wichtig« wertvolle Informationen befinden. Schaubilder, Kästen und Bilder strukturieren den Text dergestalt, dass man innerhalb kürzester Zeit - und ganz ohne Stichwortsuche - zur richtigen Seite gelangt. Auch dies ein wichtiges Lehrbuchelement. Unabhängig davon, kann man das Buch natürlich wie gewohnt von vorn nach hinten durchlesen oder besser durcharbeiten. Denn klar ist sicher auch, das ist keine Prosa ... ein bisschen ackern muss dann doch.

Insgesamt hat das Buch 15 Kapitel. Beginnend mit Software/Hardware über die Erklärung einzelner Register bis hin zu »Tethered Shooting« und der Einbindung von Drittsoftware. Die Praxis kommt auch in den naturgemäß drögen Erklärungen der Register nicht zu kurz. So stehen z.B. in den Kästen »Tipp« wertvolle Hinweise zur Lösung mancher fotografischer Probleme. Natürlich gehen die Kapitel gelegentlich tief in die Eingeweide der Software. Dennoch sind diese »Basics« so erklärt, dass sie auch leicht auf andere Prozeduren bzw. Software übertragen werden koennen. Aber was noch wichtiger ist, dadurch altert das Buch nicht übermäßig, sondern ist auch in späteren Versionen noch genauso wertvoll bzw. bleibt genauso produktiv einsetzbar. 

Fazit: Sascha Ernis »Praxis Capture One Pro: RAW-Entwicklung, Bildverwaltung, Fotobearbeitung« ist das deutsche Standardbuch für den Autodidakten, Azubi oder sonst irgendwie COP-Interessierten. Und dies nicht, weil es nur das eine Buch gibt, sondern weil es wie beschrieben den Lernenden ernst nimmt, und sicher zum Erfolg leitet - wenn dieser ernsthaft dranbleibt. 

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