Bild: Thomas Kanig (CEO SolarDust)

Thomas Kanig ist Geschaeftsfuehrer der SolarDust GmbH& Co. KG. Er ist seit vielen Jahren in China aktiv. SolarDust hat ebenso wie auch andere Unternehmen die "Wasser-Technologie" fuer sich entdeckt und ein eigenes, sehr kompaktes, System patentieren lassen. Bekanntlich stammt die urspruengliche Idee aller "Wasser-Technologien" aus China und ist dort mit >90% der Anwendungen das dominierende System. Mit Einrechnung Chinas sind "Frostschutzmittel-Technologien" nur eine Randerscheinung der Solarthermie, ist in Deutschland aber noch weit verbreitet. Doch wie bekommt man so etwas von China nach EU, was muss man bezgl. R&D tun und worauf muss man besonders aufpassen ? Ein paar Antworten gibt Herr Kanig im folgenden Interview.
(Alle Bilder Sven Tetzlaff)

 

Tetzlaff: Herr Kanig wie lange kennen Sie den chinesischen Solar Thermie Markt sowie die chinesischen Produkte. 

Thomas Kanig: Den chinesischen Solarthermie Markt kenne ich nur am Rande. Aber die Produkte kenne ich natürlich schon sehr lange, ungefähr seit dem Jahr 2000. Wenn Sie mich so fragen, halte ich die chinesischen Solarthermie-Produkte technologisch unseren um Lichtjahre voraus. Wir haben in Europa keine vergleichbare Röhre und mit dem Flachkollektor können wir die Anforderungen an solare Klimatisierung aber auch Raumheizung nur begrenzt oder gar nicht erfüllen. 

Tetzlaff: Nun hört man aber immer wieder, dass die Qualität “Made in China” nicht so gut sein soll?

 
Bild: Thomas Kanig (CEO SolarDust) und
Xu Xinjiang (CEO Sunrain)


Kanig: Ja, das hört man öfter, wird dadurch aber nicht wahrer. Man muss da etwas genauer hinschauen. Es gibt viele Unternehmen in China, die in der Lage sind die Produkte nach Ihren Spezifikationen und qualitativen “handwerklichen” Ansprüchen herzustellen. Dazu müssen sie aber bis zur letzten Schraube genau definieren, was sie eigentlich wollen. Wenn Sie das dann geschafft haben, kommen Sie um eine kontinuierliche Qualitätssicherung und ein entsprechendes Qualitätsmanagement in China - also vor Ort - nicht herum. Wir geben auf unsere Produkte 10 Jahre Garantie, sind als Firma für unsere europäischen Kunden in der EU zu greifen und da ist es geradezu überlebenswichtig, dass wir uns um das Qualitätsmanagement selbst kümmern.

Was ganz sicher nicht funktioniert: Sie rufen irgendwo an, lassen sich was bemustern und bestellen anschließend. Dies ist exakt die gleiche Vorgehensweise wie zu Zeiten des Beginns des PV Booms, wo deutsche Elektroinstallateure durch China nomadisierten und bei den 3rd Tier Firmen kauften. Völlig ohne Expertise und Sicherheiten, dafür aber schön billig. Ich frage mich manchmal, was aus den Anlagen wird, die mit diesen Produkten gezimmert wurden. 

Tetzlaff: Das gleiche sehen wir heute in der Solarthermie?

Kanig: Ja, so wie die seinerzeit PV-Elektroinstallateure durch China geisterten, sehe ich heute die ambitionierten Heizungsbauer dort aufschlagen. Das macht mir natürlich ein bisschen Angst - nicht aus Konkurrenzgründen (lacht), sondern weil diese Produkte dann häufig Ausgangspunkt für die Beschwerden “Made in China” sind. Diese 'Importeure' geben 10 Jahre Garantie an den Kaeufer  - für ein Produkt, auf das sie in seiner qualitativen Streubreite keinerlei Einfluss haben. Dazu gibt es dann meist einen 'IKEA-Bauplan' für die 20 Bauteile, die dann vom Endkunden als „fertiger Röhrenkollektor“ teuer bezahlt werden.

Die Röhre allein ist eben noch kein System. Wir entwickeln die Designs und die kompletten neuen Produkte sowohl in China, vor allem aber in Europa. Das heißt, wir müssen die chinesische Technologie für unsere Märkte erst passend machen. Mache ich das nicht, bekomme ich sehr wahrscheinlich teuren Müll geliefert.

Tetzlaff: Es gibt doch aber eine ganze Reihe von Zertifikaten, die genau dies verhindern sollen.

 
Bild: Thomas Kanig (CEO SolarDust) im Gespraech
mit ST Firmen in China


Kanig: Es wäre ausgesprochen naiv anzunehmen, dass irgendein Zertifikat vor schlechter Qualität schützt. Das einzige, was davor schützt, ist Verantwortlichkeit. Wenn ich ein Produkt mit 10 Jahren Garantie auf den Markt bringe, dann habe ich dafür gerade zu stehen. Entsprechend sorge ich dafür, dass meine Produkte dieses selbstgesteckte Ziel auch erreichen. Zertifikate helfen vielleicht, um eine gemeinsame Basis zu definieren, dies ist aber schon alles.

Das Problem ist, viele Kunden wissen gar nicht, ob Ihre Anlage noch funktioniert oder nicht. Dieses Problem decken die diversen Wohlfühl-Zertifikate nicht ab. Ein Datenblatt ist ein Schnappschuss des Produktes zu Beginn seiner Lebenszeit. Jetzt kann ich hergehen und die Produkte künstlich altern und auch zertifizieren. Aber was soll das alles? Das ist doch ein Fass ohne Boden. Um die Qualität zu garantieren, wäre ein ganz einfacher Schritt notwendig: Sie messen, wissen,was hinten raus kommt und vergleichen diese Daten mit ihren garantierten Aussagen. Dann sind alle zufrieden oder auch nicht. In der PV macht man das und kommt so den schwarzen Schafen auf die Spur. In der Solarthermie ignoriert man das Problem. Ohne Ergebniskontrolle wird der Thermiekunde immer dazu verdonnert sein, die Katze im Sack zu kaufen.

Tetzlaff: Nun “geistern” aber nicht nur “Heizungsbauer” durch China. In Europa tauchen immer wieder neue Sub-Branches der 2nd und 3rd Tier der Solarthermie-Firmen aus China auf. Ist das nicht ein Einfallstor für schlechte Qualität?

Kanig: Ich würde das gar nicht so abwerten. Ein 2nd Tier Unternehmen kann durchaus ein gutes Produkt nachhaltig vertreten und in den Markt bringen. Doch auch hier wäre eine genauere Betrachtung angesagt. Wenn diese Subbranch letztlich nur ein Vertriebsbüro ist, ist das zwar ein erster Schritt, aber nur der Anfang. Um sich dauerhaft im europäischen Markt Vertrauen zu erarbeiten und damit Umsätze zu generieren ist einiges mehr notwendig.

Wie ich schon erwähnte, müssen die existierenden Produkte auf die europäischen Gewohnheiten und die technische Normen angepasst werden. Weiterhin besteht bei den Erneuerbaren generell ein gewisser Innovationsdruck. Das heißt, ich muss meine Produkte permanent weiterentwickeln. Das geht nicht ohne R&D in Europa. Wenn die Subbranch das nicht aufbaut, wird sie wieder vergehen.

Ganz persönlich glaube ich nicht, das ein Chinese mal eben so eine Firma in der EU aufmacht, billige Produkte mit mieser Qualität liefert und dann damit Erfolg hat. Seriöse chinesische Unternehmen - auch aus der zweiten Reihe - werden sich eine erfahrene Firma mit erfahrenen Mitarbeitern in der EU suchen und mit Ihnen kooperieren. Das kann eine Übernahme, ein Joint Venture oder ein ähnliches Konstrukt sein. Ohne Expertise gibt es einfach keinen Blumentopf zu gewinnen. Dies ist sogar eine sehr große Chance für die mittlerweile überschaubare Anzahl an Herstellern in der EU. Denn ohne Sie geht es nicht. Doch um diese Idee überhaupt an sich heranzulassen, braucht es bei den meisten europäischen Unternehmen wohl noch seine Zeit. Manche werden schneller begreifen und manche nie.

Tetzlaff: Sie halten also die Panik vor den “Cowboys aus dem Osten” für unbegründet?

Kanig: Ich wusste gar nicht, dass es die Panik gibt. Cowboys, die hat es immer gegeben. Aber ich hab noch nie geglaubt, dass ein Schweizer Uhrenhersteller wegen der afrikanischen Uhrenverkäufer am Strand von El Arenal ein Problem bekommt. Das taugt als Ausrede und wird in ähnlicher Form heute geradezu inflationär unter die Leute gemischt. Wird dadurch aber nicht wahrer. Die Cowboys sind ärgerlich, nerven und sind auch ein Stück weit peinlich. Ein gravierendes Problem sind sie nicht.

Tetzlaff: Was erwarten Sie in der Zukunft bezüglich der europäisch-chinesischen Beziehungen in der Solarthermie ?

Was ich erwarte, sind zweierlei Sachen. Erstens: Wenn es den Europäern nicht gelingt, eine Wende in der Solarthermie hinzulegen, befürchte ich einen Kahlschlag wie schon mal 1988 in Westdeutschland, jetzt aber EU-weit. Genaugenommen existieren in der Solarthermie heute noch die gleichen Strukturen, die 1988 zu einem Firmen-Massensterben führten.

Erster Schritt diese Strukturen zu knacken, wäre die Chinesen auf Augenhöhe willkommen zu heißen. Das bedeutet mehr Konkurrenz, härteren Wettbewerb aber auch wieder gute und neue Chancen auf dem Markt. Im Moment laufen wir hier alle mit einem Bleimantel herum. Entsprechend ist der Wille zu Bewegung und Innovation.

Zweitens: Deutschland ist zwar der größte europäische Solarthermie-Einzelmarkt, aber vor allem Polen, das Baltikum, Tschechien und Slowakei legen im Moment tüchtig vor - eben mit chinesischen Produkten. Auch das find ich gut. Denn umgekehrt sind dies auch Märkte für unsere Produkte. Nur muss man sich da ein wenig anstrengen und diese “Emerging” Märkte jetzt schon beackern. Und natürlich keine Frage, wir haben auch konkrete Projekte außerhalb der EU und die Tendenz dort mehr zu machen, ist stark steigend.

Das Interview führte Sven Tetzlaff.

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